Die Grundlagen der Faltschachtelherstellung
Mex, Schweiz, 20. Januar 2026
In der Faltschachtelproduktion zählen Flexibilität und Genauigkeit heute zu den Schlüsselgrößen, betont Ludovico Frati, Sales & Marketing Director, Digital bei BOBST.
In der komplexen und anspruchsvollen Verpackungsherstellung von heute steht die Weiterverarbeitung im Fokus.
Ihre Aufgabe ist es, den Einfallsreichtum und die Kreativität der Markenartikelhersteller in die Realität umzusetzen – und Kartonbogen in dreidimensionale funktionale Objekte zu verwandeln. So bildet sie die Brücke zwischen den Zielen der Markenartikelhersteller und den Wünschen der Konsumentinnen und Konsumenten.
Die Verpackungsherstellung verstehen
Wollen Verpackungshersteller die Potenziale ihrer Maschinen und Prozesse maximal ausschöpfen können, müssen sie verstehen, wo und wie die Weiterverarbeitung in der mehrstufigen Produktionskette angesiedelt ist.
Im Normalfall entwickeln Markenartikelhersteller zunächst mit ihren Marketing-Teams neue Produkte, bevor ihre Designer und Kreativ-Agenturen ihre Verpackungsideen visualisieren und für sie Lösungen konstruieren.
Nachdem die Druckvorstufe drucktaugliche Artworks vorbereitet hat, wird auch die Verpackungsherstellung einbezogen. Dabei stellen die Druckdienstleister sicher, dass die Designs in höchster Qualität gedruckt werden können und die Verpackungen optisch ansprechend sind. Der Veredelung kommt die Aufgabe zu, dafür zu sorgen, dass die Verpackungen später in den Verkaufsregalen optisch hervorstechen. Im Falt- und Klebeprozess erhalten sie ihre physikalische Form.
Schließlich folgen die Abfüll- und Abpackprozesse, die Distribution und Lagerlogistik sowie der Handel.
So der übliche Ablauf in der Faltschachtelproduktion. Alle Arbeitsschritte müssen zusammenwirken und den jeweils nächsten Prozess vorbereiten.
Bislang war die Faltschachtelherstellung bogenorientiert. Der Offsetdruck dominierte. Doch in jüngerer Vergangenheit haben hier Inline-Prozesse an Boden gewonnen. Das Verhältnis verschiebt sich zu ihren Gunsten. Dabei spielen technische Weiterentwicklungen in den Bereichen Digital- und Flexodruck sowie wirtschaftliche Aspekte und die Flexibilität eine entscheidende Rolle.
Inline-Prozesse integrieren mehrere Arbeitsschritte wie Druck und Weiterverarbeitung oder Druck und Stanzen in einem Produktionssystem. Die Faltschachtelherstellung wird beschleunigt. Damit werden diese Systeme für kleinere Auflagen interessant. Zum Beispiel in den Bereichen Pharma und Körperpflege, bei denen Agilität und Flexibilität entscheidend sind. Gleiches gilt aber auch für Märkte, die große Auflagen wie etwa die Lebensmittel- und die Tabakindustrie benötigen.
Die Grundlagen beherrschen
Während technische Weiterentwicklungen die Faltschachtelherstellung vereinfachen, benötigt sie die volle Kontrolle über die einzelnen Arbeitsschritte: von den Materialien über die Genauigkeit im Stanzen und Rillen der Zuschnitte bis hin zur Effizienz im Falt-Klebe-Prozess.
In jedem dieser Prozessschritte müssen die Leistungsfähigkeit optimiert, der Abfall minimiert und bestmögliche Qualität erreicht werden.
Für das Stanzen gibt es drei grundlegende Technologien: Flachbettstanzen, Rotationsstanzen mit festen Stanzformen und Rotationsstanzen mit flexiblen Stanzformen. Je nach Auftragsgrößen, Art der zu stanzenden Materialien und Anforderungen an die Qualität bieten diese Verfahren unterschiedliche Vorteile.
- In der Bogenverarbeitung kommen in erster Linie Flachbettstanzen zum Einsatz. Diese Technologie zeichnet sich durch höchste Stanzqualität und Flexibilität hinsichtlich der verarbeitbaren Verpackungsmaterialien aus. Die Stanzwerkzeuge sind robust, vergleichsweise preiswert und leicht ersetzbar, wenngleich der Einrichteprozess zeitaufwändig sein und insbesondere bei kleinen Auflagen bei den Kosten zu Buche schlagen kann.
- Rotationsstanzen mit festen Stanzformen zeichnen sich durch höhere Produktionsgeschwindigkeiten aus – bis 20.000 Bogen pro Stunde – und bieten bei großen Auflagen eine außerordentliche Wiederholgenauigkeit. Andererseits sind bei ihnen die Werkzeugkosten höher und die Vorlaufzeiten länger.
- Rotationsstanzen mit flexiblen Stanzformen sind für kleine Auflagen und Flexibilität in der Produktion optimiert. Sie zeichnen sich durch minimalen Rüstaufwand, niedrige Kosten sowie einfache Lagerung und Wiederverwendbarkeit aus. Sie sind weniger robust als die Stanzwerkzeuge der Flachbettstanzen und Rotationsstanzen mit festen Stanzformen. Zudem sind sie häufig nicht für die Verarbeitung dickerer Materialien geeignet.
So hängt die Wahl der am besten geeigneten Stanztechnologie von den Eigenschaften der zu verarbeitenden Materialien, den Auflagengrößen, dem Produkt-Mix und den Anforderungen der Märkte ab, für die produziert werden soll. Die Automatisierung, intelligente Registersysteme und digital gesteuerte Arbeitsabläufe helfen Verpackungsherstellern zunehmend, diese Zielkonflikte zu überwinden. Denn sie verkürzen die Rüstzeiten, reduzieren den Abfall und ermöglichen eine stabilere Produktion.
Nachdem der Stanzprozess den Zuschnitten ihre Form gegeben hat, erweckt der Falt-Klebe-Prozess die Verpackungen gewissermaßen zum Leben. Moderne Faltschachtel-Klebemaschinen produzieren eine breite Palette unterschiedlicher Schachtelarten – angefangen bei Längsnaht- und Automatikbodenschachteln bis hin zu komplexeren 4- und 6-Punkt-Schachteln, Flaschenträgern und E-Commerce-Verpackungen. Ihre Konfigurationen variieren, aber die wichtigsten Prozessschritte sind im Wesentlichen gleich: Zuführung, Vorbrechen, Falten, Kleben, Transfer und Auslage.
Mit der Automatisierung, der Qualitätssicherung mit Kameras und ihren modularen Maschinenkonstruktionen werden die Faltschachtel-Klebemaschinen zunehmend zur Schlüsselgröße einer fehlerfreien Verpackungsherstellung. Insbesondere bei Premiumverpackungen für Märkte wie Kosmetik, Pharma und Luxusgüter ist eine fehlerfreie Produktion im Hinblick auf die hohen Standards und regulatorischen Anforderungen unerlässlich geworden.
Abgesehen von der Hardware müssen die Verpackungshersteller hart daran arbeiten, die zu verarbeitenden Materialien unter Kontrolle zu haben und sie auf die Arbeitsschritte abstimmen, die eine effektive Faltschachtelherstellung gewährleisten.
Faltschachtelkarton und Wellpappe sind erneuerbare und vielseitige Verpackungsmaterialien. Aber mit der Variabilität ihrer Oberflächen stellen sie eine Herausforderung dar. So beeinflussen die Faserrichtung, die Temperaturen und die Luftfeuchtigkeit die Beschaffenheit der Oberflächen dieser Materialien und ihr Verhalten im Druck sowie im Stanz- und Faltprozess.
So handelt es sich bei Bedruckstoffen, aus denen Faltschachteln produziert werden, um hydroskopische Materialien. Sie neigen dazu, aus der Umgebung, in der sie gelagert und verarbeitet werden, Wasser zu absorbieren. Allzu häufig führen übermäßige Kondensation und hohe Luftfeuchtigkeit dazu, dass sich Bogen verziehen, wellig werden oder auf andere Weise verformen. Produktionslösungen, mit denen Verpackungen in einem Arbeitsgang produziert werden können, minimieren die Zahl der Prozessschritte. Gleichzeitig werden die zu verarbeitenden Materialien bei ihnen weniger den äußeren atmosphärischen Bedingungen ausgesetzt. Das wiederum verringert das Risiko, dass Abfall und Qualitätsmängel entstehen.
Es ist auch wichtig zu verstehen, warum die Faserrichtung besondere Bedeutung hat: Die Entscheidung, ob lange oder kurze Fasern gewählt werden, beeinflusst die Stabilität, die Dimensionsgenauigkeit und die Festigkeit der fertigen Verpackungen. Auch die Entwürfe der Schachteln müssen korrekt zur Faserrichtung ausgerichtet sein. Das unterscheidet die Bogenverarbeitung von der Rollenverarbeitung, bei der die Faserrichtung vorgegeben ist. Hier kann die Optimierung der Layouts bei mittelgroßen und großen Auflagen im Hinblick auf die Minimierung der Produktionskosten eine Herausforderung sein.
Herausforderungen und Chancen
Vor dem Hintergrund der technischen Entwicklung und des sich weiter intensivierenden Marktdrucks sind diese Grundlagen der Faltschachtelherstellung zu einem strategischen Faktor der Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit geworden.
So muss die Faltschachtelindustrie heute durch eine bislang nicht gekannte Komplexität navigieren - wobei ihre Produktionsbetriebe aus unterschiedlichen Richtungen unter Druck gesetzt werden:
- Die Markenartikelhersteller erwarten zunehmend kürzere Lieferzeiten, fordern schnellere Reaktionen und kürzere Produktionszeiten.
- Eine fehlerfreie Produktion ist inzwischen die Norm.
- Nachhaltigkeitsforderungen und regulatorische Änderungen treiben die Entwicklung neuer Materialien voran und erfordern die Rückverfolgbarkeit über die gesamte Lieferkette hinweg.
- Rentabilität und Kontrolle über die Kosten stehen angesichts der Energiepreise, der Rohstoffkosten und der zunehmenden Artikelvielfalt permanent unter Druck.
- Zudem führt der Personal- und Fachkräftemangel zu betrieblichen Engpässen, die jedoch mit Automatisierung umschifft werden können.
Gleichzeitig tendieren die Verbraucherinnen und Verbraucher zunehmend hin zu Premium-, personalisierten und nachhaltigen Verpackungen. Im Ergebnis kommen schneller neue Technologien auf den Markt. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an die Druckqualität und an die Verpackungskonstruktion. Die Weiterverarbeitung folgt auf dem Tritt.
Der Bogenoffsetdruck ist nach wie vor die vorherrschende Technologie. Auch sie wird in Form eines höheren Automatisierungsgrades, dem Druck mit festem Farbsatz und schnellerer Auftragswechsel weiterentwickelt. Aber auch im Flexodruck und im Rollenoffset werden neue Möglichkeiten entwickelt. Insbesondere dort, wo die Veredelung und Endverarbeitung integriert werden können. Der Tiefdruck ist weiterhin bei hohen Auflagen die erste Wahl. Aber angesichts seiner geringeren Flexibilität und Kosteneffizienz sowie der Fragezeichen hinsichtlich seiner Nachhaltigkeit verliert er an Boden.
Digital Die nächste Grenze
Digitale Technologien, die für die Etikettenherstellung entwickelt wurden, dringen jetzt im großen Stil in die Faltschachtel-Industrie vor.
Es stellt sich nicht die Frage, ob auch in der Faltschachtelproduktion eine digitale Transformation stattfindet - sondern nur, wie schnell diese vonstatten geht.
Dem digitalen Faltschachteldruck wird ein Wachstum mit einer durchschnittlichen Rate (CAGR) prognostiziert, die deutlich über dem Branchendurchschnitt von 2,5 % liegt. Alleine der Inkjet-Druck wird bis 2030 voraussichtlich durchschnittlich jährlich um 11 % wachsen – nachdem sich sein Anteil im Markt digital gedruckter Faltschachteln von 2015 bis 2025 bereits verdreifacht hat. Dieses Wachstum wird vorangetrieben, weil sich mit dieser Technologie kleine Auflagen drucken lassen, Versionierungen möglich sind und sie kürzere Entwicklungs- und Produktionszeiten unterstützt.
Der Digitaldruck allein garantiert aber nicht die Flexibilität. Die wahre Transformation liegt vielmehr in der Produktion mit digitalen All-in-One-Lösungen. Diese Systeme integrieren den Druck, die Veredelung, die Qualitätssicherung sowie den Stanz- und Rillprozess zu nahtlosen, automatisierten Arbeitsabläufen, die den Abfall, die Kosten und die Produktionszeiten drastisch verringern.
Mit der Integration mehrerer Arbeitsschritte in einen Prozess können Verpackungshersteller ihren Abfall, ihre Rüstzeiten, ihren logistischen Aufwand und ihren Platzbedarf signifikant verringern, was sich unmittelbar positiv auf ihre Gesamtkosten auswirkt.
Dieser All-in-One-Ansatz spiegelt den branchenweiten Wandel hin zur modularen und vernetzten Produktion wider. Maschinen arbeiten nicht mehr isoliert, sondern werden zu Bestandteilen von Komplettsystemen, die mit Datenanalysen, Ferndiagnosen und vorbeugender Wartung unterstützt werden. Die Ergebnisse sind höhere Flexibilität und Transparenz sowie mehr Kontrolle von den Dateien bis zu den fertigen Verpackungen.
Im nächsten Jahrzehnt wird der Erfolg von Verpackungsherstellern von drei miteinander in Beziehung stehenden Prioritäten abhängen:
- Genauigkeit: In der Herstellung von Faltschachteln zählt jedes Mikron. Investitionen in hochentwickelte Registertechnologien, Echtzeit-Überwachung und die Qualität der Werkzeuge stellen konsistente, fehlerfreie Ergebnisse sicher.
- Nachhaltigkeit: Prozesseffizienz und verantwortungsbewusster Einsatz von Materialien sind nicht nur ökologische Gebote, sondern auch wirtschaftliche Treiber. Die Minimierung des Abfalls und Optimierung des Energieverbrauchs schlagen unmittelbar bei der Rentabilität zu Buche.
- Schnelligkeit und Flexibilität Angesichts schrumpfender Auflagen und zunehmender Individualisierung sind flexible Produktionssysteme und digitale Integration für künftiges Wachstum unerlässlich geworden.
Früher wurde die Faltschachtelherstellung eher als technisches Handwerk gesehen. Heute dagegen ist sie zu einer strategischen Wertschöpfung geworden. Diese prägt den Wert von Markenartikeln. Und sie ermöglicht es Verpackungsherstellern, sich zu differenzieren und Verpackungen mit globalen Markt- und Nachhaltigkeitstrends in Einklang zu bringen.
Erfolgreich werden Verpackungshersteller sein, die den Wandel annehmen und die Handwerkskunst der herkömmlichen Arbeitsweisen mit der Intelligenz moderner Automatisierung und digitaler Systeme kombinieren Damit werden sie nicht nur die heutigen Herausforderungen meistern, sondern auch die Zukunft der Verpackungsproduktion gestalten.
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Über BOBST
Wir sind einer der weltweit führenden Lieferanten von Anlagen und Services für die Substratverarbeitung, den Druck und die Weiterverarbeitung in den Bereichen Etiketten, flexible Materialien, Faltschachteln und Wellpappe. Unsere Gruppe hat eine Vision formuliert, wie wir die Zukunft der Verpackungswelt auf Basis der vier Säulen Vernetzung, Digitalisierung, Automatisierung und Nachhaltigkeit gestalten wollen.
Das 1890 von Joseph Bobst in Lausanne, Schweiz, gegründete Unternehmen BOBST ist in mehr als 50 Ländern vertreten, besitzt 21 Produktionsstätten in 12 Ländern und beschäftigt mehr als 6 400 Mitarbeiter auf der ganzen Welt. Das Unternehmen erzielte im Geschäftsjahr, das am 31. Dezember 2024 endete, einen Umsatz von CHF 1.891 Milliarden.
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